Weihnachtshilfe für gestrandete Trucker

Heiligabend an der Autobahn: Ein Ex-Kraftfahrer und ein Lkw-Unternehmen aus Markranstädt helfen denen, die es nicht mehr rechtzeitig nach Hause schaffen.

Markranstädt. Während Familien gemeinsam Heiligabend feiern und Geschenke ausgepackt werden, verbringen viele Kraftfahrer das Fest fernab von zu Hause. Auf Rasthöfen oder Parkplätzen warten sie in den Kabinen ihrer Brummis auf das Ende des Fahrverbots nach den Feiertagen. Gestrandet an der Autobahn, einsam, ohne Partner und Kinder. „Das trifft ausgerechnet die Menschen, die dafür sorgen, dass wir an den Feiertagen nichts vermissen müssen und die Geschenke pünktlich unter dem Baum liegen“, fühlt Klaus Frank mit den Betroffenen. Der Senior-Chef des Markranstädter Familienunternehmens Frank Fahrzeugbau hat eine besondere Beziehung zu den „Königen der Landstraße“, wie er die Brummi-Fahrer nennt. Täglich rollen Trucks mit Kennzeichen aus ganz Europa auf den Hof. Sie werden hier gewartet, repariert, erhalten neue Aufbauten oder TÜV-Überprüfungen.

Geste mit Herz und ehrliche Wertschätzung
In der Vorweihnachtszeit ist ein solcher Besuch in Markranstädt unter Kraftfahrern besonders beliebt. Auch in diesem Jahr hat das Team von Frank  Fahrzeugbau wieder 600 Tüten mit kleinen, nützlichen Geschenken gepackt. Jeder Brummi-Pilot, der vom Hof fährt, bekommt Von Rainer Küster eine dieser Tüten mit auf den Weg. „Das ist nicht nur eine Geste mit viel Herz, sondern auch ehrliche Wertschätzung unserer Arbeit“, freut sich denn auch Kraftfahrer  Tobias über die Anerkennung. Die beliebten Beutel mit handgemachtem Gebäck, Schneidebrett und Messer oder Thermosflasche sind nicht die einzigen  Zutaten, mit denen das Unternehmen bei Fahrern und Speditionen insbesondere in der Weihnachtszeit punktet. „Wenn die Rasthöfe überfüllt und Speditionen geschlossen sind oder der Lkw hier in der Werkstatt steht, findet man bei Frank Fahrzeugbau immer eine saubere Dusche und meist auch ein Zimmer für die Übernachtung“, schwärmt Peter Serve. Der 70-Jährige war selbst Berufskraftfahrer, fuhr 45 Jahre lang quer durch Europa, bevor er sich in Markranstädt niedergelassen hat. Unterstützt von Firmen wie Frank Fahrzeugbau kümmert sich Serve heute, zusammen mit elf weiteren Mitstreitern aus der Umgebung, um die gestrandeten Trucker. Schon seit Monaten sammelt die rührige Truppe ehrenamtlich Spenden. Jetzt packen sie Tüten mit Weihnachtsgebäck und kleinen  Geschenken. „An den Feiertagen geht es dann von 9 bis 16 Uhr in zwei Gruppen raus auf die Piste“, erläutert Serve den seit 2011 jährlich wiederkehrenden Plan. Ein Team übernimmt die Autobahnen rund um Leipzig, das ande-re die südlichen Regionen bis hin zum Hermsdorfer Kreuz. Hunderte Geschenketüten, darunter auch viele von Frank Fahrzeugbau, werden an Kraftfahrer verteilt, die das Fest allein und fernab der Heimat am Straßenrand verbringen müssen.

Geschichten, die das Herz berühren
Was Peter Serve bei diesen Aktionen erlebt und erfährt, schreibt er auf. Reale Weihnachtsgeschichten wie jene, die in der Tankstelle Dölzig ihren Anfang nahm.  Dort hatte Serve einem gestrandeten Fahrer eine Tüte übergeben und ihn gefragt, ob er von weiteren Kollegen wisse. „Er sprach schlecht Deutsch und hat zwei Finger gehoben.“ Kurz darauf kamen seine Frau und der 4-jährige Sohn von der Toilette. Der Familienvater hatte beide auf die Tour von Spanien nach Leipzig mitgenommen. Eigentlich wollten sie Weihnachten wieder zu Hause sein, doch weil sie mit ihrer Fracht 15 Minuten zu spät am Flughafen ankamen, konnte die Ware vor den Feiertagen nicht mehr entladen werden. „Da das Terminal geschlossen war, sind sie an der Tankstelle gestrandet, weil es hier wenigstens Verpflegung und eine Toilette gab“, berichtet Serve. Kurzerhand hat er die Familie über die Feiertage mit zu sich nach Hause genommen. Der Beginn einer Freundschaft, die noch heute hält. Ähnliche Geschichten weiß auch Klaus Frank zu berichten. Denn was sein Betrieb anbietet, geht weit über den üblichen Service einer Lkw-Werkstatt hinaus. Nicht nur, dass für Notfälle immer eine Dusche und Toilette, sondern auch eine Übernachtungsmöglichkeit für gestrandete Trucker bereitgehalten wird. Auch der rund um die Uhr einsatzbereite Pannennotdienst zählt dazu. Bis zu fünf Mitarbeiter sind deshalb auch an den Feiertagen ständig in Bereitschaft. „Gerade in der Weihnachtszeit geht es dabei nicht immer nur um technischen Service“, betont Klaus Frank. So sei im vergangenen Jahr ein österreichischer Fahrer in Leipzig liegengeblieben. Schnell war klar, dass die Reparatur wenigstens zwei Tage dauern würde. „Als ich von meinem  Serviceteam erfuhr, dass der Mann kein Geld mehr hatte und zu Weihnachten quasi hilflos auf der Straße stand, bin ich hingefahren und habe ihm 100 Euro gegeben“, berichtet der Senior-Chef. Im neuen Jahr bekam Frank Fahrzeugbau dann Post aus Wien. Die Spedition hat nicht nur das Geld zurückgezahlt und sich für den technischen Service bedankt, sondern zeigte sich in ihrem Brief auch ergriffen von der menschlichen Hilfe. „Das sind dann die Momente, die uns Gänsehaut verschaffen und uns motivieren, weiterzumachen“, pflichtet Kraftfahrer Peter Serve dem Unternehmer Klaus Frank bei.

Quellennachweis: Leipziger Volkszeitung vom 24. Dezember 2025, / Rainer Küster, Foto: André Kempner